Ohne Prüfung keine Betriebsgenehmigung

Ohne Prüfung keine Betriebsgenehmigung

Temporäre Schulcontaineranlagen aus der Perspektive des Arbeitschutzes

Fix ist das zweigeschossige Schulgebäude für das Vicco-von-Bülow-Gymnasium mit 6 Klassenräumen und insgesamt 564 qm Fläche errichtet. In nur einem Monat stand das Gebäude, das für die kommenden 16 Monate das dringend benötigte Raumangebot des Gymnasiums in Stahnsdorf erweitern wird. In Betrieb genommen wird es jedoch erst, wenn alle Aspekte der Arbeitssicherheit erfüllt sind.

Ansprechpartner für die Arbeitssicherheit des Vicco-von-Bülow Gymnasiums ist Herr Andreas Hiebsch vom Landesamt für Verbraucherschutz, Arbeitsschutz und Gesundheit, Abteilung Arbeitsschutz. In einem Gespräch mit Cramo Adapeto erläuterte er die wesentlichen Kriterien, die vor einer Inbetriebnahme erfüllt sein müssen.

Wie gehen Sie bei einer Prüfung vor?

Herr Hiebsch: Grundsätzlich benötigen temporäre Gebäude, die länger als 3 Monate genutzt werden, eine Baugenehmigung. Zunächst werden alle eingereichten Pläne und Betriebsbeschreibungen gemäß des Arbeitsschutzgesetzes und der auf diesem Gesetz erlassenen Rechtsverordnungen geprüft. Dazu gehört auch die Höhe der Räume, die mindestens 2,50 m sein muss.

Wir pflegen einen engen Kontakt zu den Bauherren, so auch zu der Cramo Adapteo GmbH. Viele offene Fragen konnten unkompliziert per Telefon geklärt werden. Eine Woche vor Abnahme fand eine Besichtigung vor Ort statt, damit mögliche Mängel noch rechtzeitig behoben werden konnten und somit eine pünktliche Inbetriebnahme der Schule ermöglicht wurde. Unser Ziel ist eine gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Versicherten zu gewährleisten.

Was prüfen Sie und welche Kriterien sind entscheidend?

Herr Hiebsch: Wir prüfen alle Aspekte, die der Sicherheit und dem Gesundheitsschutz dienen. Kinder sind Versicherte, deshalb müssen bestimmte Vorgaben für einen sicheren Aufenthalt in der Schule gewährleistet sein.

Bei der Besichtigung einer Anlage schaue ich mir u.a. die Beschaffenheit der Flucht- und Rettungswege an. Ein Blick richtet sich auf Stolperstellen innerhalb der Anlage, mit besonderem Augenmaß auf die Türschwellen. Ist die Anlage mehrgeschossig, wird die Ausführung des Handlaufs geprüft. Handläufe in Schulgebäuden dürfen nicht frei auslaufen ausgeführt sein, damit pädagogisches Personal und Schüler nicht hängen bleiben können. Auch Treppenstufen müssen der Schrittmaßformel entsprechen.

Schulen müssen unter akustischen Gesichtspunkten gestaltet sein, um die Gesundheit zu schonen. Prüfkriterium für die Akustik ist der Schallpegel bzw. die Nachhallzeit. Die Messung des Schallpegels vor der Abnahme der Containeranlage erfolgt in allen Räumen ink.Treppenhaus und Sekretariat. Cramo Adapteo baut serienmäßig Akustikdecken in alle Container von Bildungseinrichtungen ein und erfüllt alle erforderlichen Schallmessungen.

Neben der Akustik wird auch die Beleuchtung geprüft. Die Beleuchtung muss bestimmte LUX-Werte erfüllen. Als Sicherheitsbeleuchtung sind im Vicco-von-Bülow Gymnasium Einzelbatterieleuchten in den Rettungswegen und allgemein zugänglichen Fluren, Treppenhäusern und der Außentreppe eingebaut.

Die grüne Tafel wurde in vielen Schulen bereits durch Whiteboards ersetzt. Der Bauherr muss die Standsicherheit der Whiteboards garantieren, damit es keine Verletzungen durch Herunterkippen oder Einsturz gibt. Die entsprechenden Prüfwerte werden monatlich in ein sogenanntes Tafelbuch eingetragen.

Kinder bewegen sich gerne und toben über die Flure, deshalb ist eine Prüfung der Verglasung von Zwischentüren wichtiger Bestandteil des Arbeitsschutzes. Vorgeschrieben ist mindestens eine ESG-Verglasung bei Zwischentüren, deren Fläche zu mehr als 3/4 aus Glas besteht. Damit Schüler und Lehrer im Ernstfall schnell ins Freie gelangen können, sind Paniktüren unverzichtbar in Schulcontainer Anlagen und müssen jederzeit von innen zu öffnen sein.

Auch bei Nässe muss ein Bodenbelag in Schulen trittsicher sein, deshalb kommt dem Bodenbelag ein großer Stellenwert zu. Böden in Schulen müssen rutschhemmende Eigenschaften aufweisen. Cramo Adapteo hat für die Vicco-von-Bülow Schule Bodenbeläge mit dem Wert R11 verwendet. Neben der Rutschfestigkeit muss der gewählte Boden strapazierfähig und pflegeleicht sein.

Brandschutzmaßnahmen werden auf Wirksamkeit und Betriebssicherheit geprüft. Bei der Vicco-von-Bülow Schule wurde eine Hausalarmanlage in den Zugangsbereichen beider Etagen eingebaut. Optische Rauchmelder befinden sich in den Rettungswegen, allgemein zugänglichen Fluren und Treppenräumen sowie dem Technikraum und der Alarmierungszentrale. Die Auslösung eines Alarms erfolgt automatisch über die Alarmierungszentral. Dabei ist darauf zu achten, dass sich der Havariealarm vom Pausenalarm unterscheidet. Verwendete Elektroanlagen müssen den anerkannten Regelen der Elektrotechnik entsprechen.

Das Gebäude wird in den Klassenräumen sowie den Fluren und Treppenräumen durch eine automatische Brandmeldeanlage nach DIN 14675 überwacht. Ein Alarmierungskonzept regelt die Vorgehensweise im Ernstfall. Im Sekretariat kann ein schneller Alarm durch einen Druckknopfmelder ausgelöst werden.

Ein wichtiger Prüfpunkt ist die eindeutige Kennzeichnung der Rettungswege. Feuerlöscher und Verbandskasten müssen vorhanden sein. Auch die Anzahl der Toiletten im Verhältnis zur Anzahl der Versicherten wird geprüft.

Fensterbeschattung ist Pflicht an Schulcontainergebäuden. Am Vicco-von-Bülow Gymnasium hat Cramo Adapteo Rolläden und eine Klimaanlage eingebaut.

Was hat Ihnen an diesem Bauprojekt besonders gefallen?

Überrascht äußerte sich Herr Andreas Hiebsch über das gute Raumklima: "Bei der Begehung der Schulcontaineranlage herrschten sehr hohe Außentemperaturen. Aufgrund der dunklen Außenfassade hätte ich ein so angenehmes Raumklima nicht erwartet. Die eingebaute Klimaanlage ist sehr effizient."

Ein weiterer Pluspunkt ist die Konzentration aller wesentlichen Funktionen in einem Systemtechnikraum. Hierzu zählen u.a. die zentrale Energieversorgung, die Brand- und Einbruchmeldenlagen, der EDV-Datenschrank und der Blitzschutz. "Die Bündelung aller technischen Funktionen spart dem Bauherrn mehrere Tausend Euro Kosten", errechnete Projektleiter Uwe Wöckel.